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Münster: Ein Reisebericht aus der lebenswertesten Stadt Deutschlands

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Münsterland ist Monsterland, zumindest wenn man dem Tatort glauben will. Und was noch? Im Rahmen eines Recherchestipendiums des Münsterland e.V. hatte ich eine Woche Zeit, um Antworten auf diese Frage zu finden. Einiges wusste ich natürlich schon: Münster ist die Fahrradhauptstadt der Welt. Außerdem läuten hier ständig die Glocken und es soll immer regnen. Tolle Aussichten, gerade für jemanden, der sich nur alle paar Jahre mal auf’s Rad schwingt.

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Als Fußgänger kommt man sich in der Stadt tatsächlich wie ein Einzelkämpfer vor. Jeder fährt hier Fahrrad – Frauen in schicken Kostümen, Männer im Anzug und die Polizei. Wie Axel Prahl im Münster Tatort. Der ist zwar Hauptkommissar und kein Streifenpolizist, fein genug für’s Fahrrad ist er sich aber deswegen noch lange nicht. Warum auch? In Münster sind Radfahrer schließlich Könige. Hier gibt es Fahrradampeln, eine Fahrradautobahn und sogar eine Fahrradwaschanlage. Auf den Gehwegen stehen die Räder manchmal in zweiter oder dritter Reihe. Noch ärmer als die Fußgänger sind hier nur die Autofahrer dran, denn sie leben vermutlich in ständiger Angst. Eine Kollision mit einem Radfahrer zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit etliche Beulen und eine immer währende Verachtung nach sich.

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Münster ist aber auch die Stadt der komischen Straßennamen – Georgskommende, Drubbel, Krummer Timpen – Giebelhäuser und Kirchen. Dazwischen erheben sich moderne Glasbauten. Ich bin selten ein Fan von diesem Mix, aber in Münster funktioniert es. Die Innenstadt wurde im Krieg beinah komplett zerstört und danach wieder originalgetreu aufgebaut. Prinzipalmarkt, Spiekerhof – so niedlich und historisch diese Orte klingen, sind sie auch tatsächlich. Die Altstadt wirkt beinah wie ein Miniaturmodell aus einer Schneekugel. Ein gemütlicher Spaziergang führt von der spätgotischen Lambertikirche über den Prinzipalmarkt und den Domplatz zum Spiekerhof, wo man sehr gut westfälisch speisen kann. Münster ist nämlich auch die Stadt des Pumpernickel und des Pinkus Bieres. Wer am Samstag in Münster ist, sollte unbedingt den Wochenmarkt am Dom besuchen. Hier trifft sich die ganze Stadt zum Einkaufen, je später es wird auch immer mehr Touristen. Verkauft werden regionale Produkte und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

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Am Wochenende zieht es viele auf die Promenade, den 4,5 km langen Grünstreifen, der sich entlang der ehemaligen Befestigungsmauer um die Stadt zieht. Hier treffen sich Spaziergänger, Jogger und natürlich auch die Radfahrer. Alle anderen Münsteraner sind am Aasee. Hier habe ich meinen persönlichen Lieblingsplatz gefunden.

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Ist Münster spießig? Auch. Aber Münster ist auch, besonders kulturell gesehen, vielfältig und modern. In der Skulpturenstadt sind zahlreiche Kunstwerke verteilt, die zum Spazieren und Entdecken einladen. Es gibt viele interessante Museen, Theater und eine spannende, wenn auch kleine Subkultur. In der Filmstadt begegnet man natürlich immer wieder Boerne, Thiel und Wilsberg. Mich haben aber auch die Orte im Umland begeistert, die zum Teil ein enormes kulturelles Angebot bieten. Dazu gehören zum Beispiel das Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde oder das Kloster Bentlage in Rheine. Diese Begegnungsstätten zeigen, dass Kultur im ländlichen Raum durchaus funktionieren kann.

Die Einwohner selbst behaupten, Münster wäre die lebenswerteste Stadt Deutschlands. Auf jeden Fall fällt mir der Abschied nach einer Woche in dieser Idylle schwer. Um die These jedoch bestätigen zu können, reicht die Zeit vermutlich nicht aus.  Bloß gut, denn es gibt noch einiges, das ich mir ansehen und das ich ausprobieren möchte. Bei meinem nächsten Besuch in der Stadt traue ich mich dann auch auf’s Rad! Es hat übrigens in meinen 7 Tagen in Münster nicht einmal geregnet. Auf das Läuten der Glocken muss man allerdings nie lange warten.

Da ich in einer Woche natürlich doch sehr viel gesehen und erlebt habe, bin ich gerade dabei alles für Euch kompakt zusammenzufassen: Sehenswürdigkeiten, Freizeitangebote, Geheimtipps und spannende Anekdoten in und aus dem Münsterland…

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21 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag über Münster, der mir sofort ein Lächeln ins Gesicht zaubert und viele tolle Momente ins Gedächtnis zurück ruft. Für mein Masterstudium bin ich nach Münster gegangen und habe mich ab dem ersten Tag in diese Stadt verliebt. Fahrrad fahren solltest du unbedingt probieren – im Endeffekt ist es sogar sicherer als zu Laufen (auch wenn ich trotzdem einen Unfall hatte, weil mich ein Autofahrer übersehen hat…). Denn die erste Regel als Fußgänger in Münster ist: Fahrradfahrer sind „Gott“ 😀 Sie haben immer und überall Vorrang und der Radweg sollte unter keinen Umständen betreten werden! Eine Lektion, die sich bei mir sehr schnell einbrannte 😀 Bei deinem nächsten Besuch solltest du unbedingt eine Radtour entlang des Kanals machen und/oder die Rieselfelder besuchen. Die Rieselfelder liegen nördlich von Münster und sind ein anschauliches Naturreservat. Sehenswert ist auch der Zoo oder eine Tour per Rad, Fuß oder Boot entlang der Werse

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  2. Das freut mich. In Münster hätte ich auch gerne studiert, sicher eine tolle Erfahrung! Wenn ich so drüber nachdenke hast Du Recht, als Fußgänger war ich mir oft nicht so sicher, wo ich mich nun bewegen darf 😀 Für meinen nächsten Besuch nehme ich mir das Radfahren auf jeden Fall vor, die Touren klingen super! Den Zoo möchte ich auch noch sehen, vom Aasee hab ich noch nicht alles gesehen, für den Hafen war nur wenig Zeit…die Liste ist lang 🙂 Danke für Dein schönes Feedback und die Tipps!

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    • Bine sagt

      Oh ja, du sagst es – in Münster zu studieren ist wunderbar. Es ist immer etwas los, die Menschen sind unglaublich freundlich und die Stadt einfach ein Traum. Wäre Münster nicht so weit weg von meiner Heimat, wäre ich liebend gern länger dort geblieben 😉 Weitere Besuche lohnen sich auf jeden Fall-ich komme auch immer wieder gern zurück. Deine Liste abzuarbeiten wird dir sicherlich viele unvergessliche Momente in Münster bescheren – ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei.

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  3. Wie schön! Ich war schon mal in Münster aber es ist ewig her und ich hatte vergessen, wie schön die Stadt ist. Vielleicht sollte ich einfach mal wieder hin 😉
    Viele Grüße
    Maria

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  4. Sonja sagt

    Ich bin Vollblutmünsteranerim, in der Uniklinik zur welt gekommen, unweit von hier in Burgsteinfurt aufgewachsen und seit 2009 wohne ich jetzt auch hier.
    Und der beste Rat den ich gegen’s Rad geben kann: n dickes Fell anschaffen 😂
    Wenn so ne Leeze angescheppert kommt (erstaunlich viele Räder kündigen sich nämlich lautstark an) muss man nur mindestens genauso abgebrüht sein wie selbige und mit bösen Blicken Funken sprühen. Das Selbe gilt übrigens auch wenn man sich selbst auf die Leeze schwingt, andere Verkehrsteilnehmer werden gern mit Blitzen in Grund und Boden geblickt, Worte, gar aufbrausende Worte, werden kaum benutzt. Als Autofahrer hingegen gilt das nicht. Ist halt n faradeyscher käfig, wo kein Blitz einschlägt tritt auch keiner aus, zumindest nicht wirksam und erst recht nicht im zweispurigen Ludgerikreisel.
    Richtig abgebrühte Radfahrer fahren auch gern im inneren Kreis, kaum ein Autofahrer ist so Lebensmüde sich in den ewigen Kreis des Spritkonsums zu begeben, radfahrer hingegen fahren auch gern ohne zu schauen einfach urplötzlich vom inneren kreis auf die äußerst rechte seite um dem aufbrausenden Autofahrer an der nächsten Ausfahrt auch noch zu zeigen, dass er auch auf dem Zebrastreifen Vorfahrt hat. Denn der Münsteraner Pedalist hat IMMER Vorfahrt, ob er das nun darf oder nicht, blickt stur geradeaus oder zeigt dem unbedarften autofahrer gerne mit weiteren blitzen (allerdings mit blitzenden Zähnen und einem glänzenden Lächeln), dass er in der Lage ist die Geschwindigkeit einer Schnecke massiv zu unterbieten, ohne rückwärts zu fahren.

    Wie bereits eingangs erwähnt: man braucht ein dickes Fell. Und als Autofahrer zusätzlich eine sehr typische, Münsterländer Gemütlichkeit. Denn ohne Geduld ist das Auto hier etwa so sinvoll wie ne Leeze ohne Räder 😂😂😂

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    • Die Stadt ist schon sehr speziell 😉 Aber mit diesen Tipps kann ich mich beim nächsten Besuch ja doch mal auf’s Rad wagen. Und das Beste hoffen! Vielen Dank 🙂

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  5. Vielen Dank für diese Hommage an Münster 😉 Ich bin nicht allzu weit von dort aufgewachsen und mochte die Stadt schon immer – trotz der zahlreichen Spießer und auch gerade wegen der Fahrradkultur! Ich bin schon jetzt sehr gespannt auf deinen weiteren Bericht und hoffe, der kommt rechtzeitig für meinen nächsten Besuch bei meiner Schwester, die mittlerweile in Münster wohnt – bestimmt kennt sie auch noch nicht alle Special Tips 🙂

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    • Vielen, vielen Dank 🙂 Das wusste ich noch gar nicht, wundert mich aber absolut nicht. Wenn ich das nächste Mal dort bin, muss ich auf jeden Fall auch einen Bagel essen, denn die liebe ich ♥

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  6. was für ein toller beitrag! ich wohne in münster und schreibe auf http://www.thisisforartlovers.de auch regelmäßig über das, was hier ansteht. es ist ziemlich gut die stadt auch mal aus der perspektive einer „touristin“ kennenzulernen, hier gibt es so viele dinge, denen man leider keine oder zu wenig beachtung schenkt, wenn man hier wohnt. ein paar sachen wusste ich auch noch gar nicht, haha. wenn du wieder in münster bist, würde ich mit dir sehr gerne bagels essen! ich wohnte direkt um die ecke vom zurecht gehypten teilchen & beschleuniger. 🙂

    liebst,
    sandra

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    • Vielen, vielen Dank! Ich hab die Seite schon entdeckt und bin gerade am Stöbern 😉 Das klingt nach einem tollen Plan, da bin ich dabei! Vielleicht haben wir Glück und es findet gerade eine Tagebuchlesung im Teilchen & Beschleudinger statt, die ist nämlich als ich dort war leider ausgefallen. Ich melde mich auf jeden Fall bei Dir! 🙂 Schöne Grüße aus Berlin

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    • Liebe Monique,

      oh ja das ist es auf jeden Fall. Ich werde auch bald noch einmal nach Münster fahren, weil es noch so viel zu sehen gibt. Mir gefällt auch die Atmosphäre in der Stadt total gut, man fühlt sich dort direkt wohl 🙂

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