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Loslassen: Interview mit Katharina Finke

Seit fast 5 Jahren lebt Katharina Finke nun schon aus zwei Koffern. Mehr Besitz hat sie nicht – und braucht sie auch gar nicht. Sie lebt den Minimalismus wirklich jeden Tag und natürlich auch auf Reisen.

“Ich hatte so gut wie alles, was ich bis zu diesem Zeitpunkt besessen hatte, hinter mir gelassen.“

Katharina Finke ist schon immer viel gereist und als Leser begleiten wir sie in Ihrem Buch Loslassen – Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte auf verschiedenen Stationen ihres Lebens. So geht sie zum Beispiel nach dem Abitur nach Bristol und kümmert sich dort um ein autistisches Mädchen oder arbeitet in New York mit einem Fernsehjournalisten zusammen. Irgendwann entscheidet sie sich dazu, ihren festen Wohnsitz ganz aufzugeben. Als Journalistin kann sie überall arbeiten, ihre Reisen führen sie z.B. auch nach Neuseeland, Indien und China.

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Fotos: David Weyand

Mich hat dabei besonders beeindruckt, dass sie immer wieder aus ihrer Komfortzone ausgebrochen ist und Neues zugelassen hat. Natürlich genießt sie eine enorme Freiheit, aber auch die negativen Aspekte dieses minimalistischen Lebensstils werden beleuchtet.  Am Ende ist es dem Leser überlassen, was er aus Ihrer Geschichte mitnimmt…

Mir wären zwei Koffer definitiv zu wenig und ich hänge zu sehr an meiner süßen Wohnung mit all ihren Dekoelementen. Ich bin froh, ein Zuhause zu haben in das ich immer wieder zurückkommen kann. Aber ein bisschen Minimalismus und Verzicht schadet mit Sicherheit auch niemandem, oder? 😉

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Fotos: David Weyand

Themen:

Minimalismus, Loslassen, Verzicht

Lesetipp für:

Digitale Nomaden und die, die es werden wollen; Shoppingsüchtige und Menschen, die sich gerne von materiellem Überfluss befreien möchten.


Autoreninterview mit Katharina Finke

Wie man lernen kann loszulassen und sich auch wenn man ständig unterwegs ist, seine Privatssphäre bewahrt, hat mir Katharina Finke im Interview verraten.

Was bedeutet für Sie Freiheit?

Fast überall problemlos hinreisen zu können, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und die Möglichkeit zu haben, mich jeden Tag, ja jede Sekunde, in vielerlei Hinsicht frei entscheiden zu können.

Sie haben keinen festen Wohnsitz, sondern kommen abwechselnd bei der Familie, Freunden oder zur Zwischenmiete unter. Mir würde vermurtlich meine Privatsphäre besonders fehlen. Gelingt es Ihnen, sich diese dennoch zu bewahren?

Wenn man immer woanders wohnt, kann es in der Tat leicht passieren, dass man seine Privatsphäre verliert. Diese Erfahrung habe auch ich gemacht, als ich länger eine Bleibe hatte, wo es keine Tür gab, die ich hinter mir zumachen konnte. Das ist mir inzwischen wichtig geworden und darauf möchte ich über einen längeren Zeitraum auch nicht mehr verzichten. Meine Privatsphäre ist mir wichtig. Und wenn ich doch mal kürzer irgendwo sein sollte, beispielsweise in einem Hostel oder zu Besuch bei Freunden, bemühe ich mich, mir meine Privatsphäre anders zu schaffen: Meistens gehe ich dafür raus in die Natur, wo ich einfach nur für mich sein kann.

Ihre Bücher verschenken Sie nach dem Lesen weiter. Bei welchem Buch ist Ihnen das zuletzt besonders schwergefallen?

Bei The Vegetarian von Han Kang. Aus verschiedenen Gründen: Ich hatte es selbst geschenkt bekommen. Außerdem hat es mich sehr beschäftigt und ich habe mich gefragt, ob ich nicht später doch noch einmal hineinschauen mag. Weil es zudem ein sehr verstörendes Werk ist, war ich mir auch nicht sicher, ob ich es einfach so weitergeben kann – aus Sorge, was es mit dem/der nächsten Leser/in machen kann. Ich habe mich dann aber doch dazu durchgerungen und bei der Buchübergabe all das der Frau, der ich es geschenkt habe, auch erklärt.

Wenn Sie sich in diesem Moment entscheiden müssten: An welchem Ort würden Sie sich dauerhaft niederlassen?

Berlin in diesem Moment, aber langfristig dauerhaft bin ich noch unentschlossen und nehme mir die Freiheit heraus mich auch nicht festlegen zu müssen. Eins steht aber fest:  definitiv in Europa.

Auf etwas verzichten oder auch etwas loszulassen fällt vielen von uns schwer. Haben Sie Tipps, worauf man im Alltag am einfachsten verzichten könnte, um sich von unnötigem Ballast zu befreien?

Ich glaube das ist für jede Person sehr individuell. Der einfachste und erste Schritt könnte jedoch vielleicht sein, sich zu fragen, wenn man etwas in mehrfacher Ausführung hat, ob man von der gleichen Sache wirklich so viele Versionen braucht. Zusätzlich kann sich jeder fragen, ob es Dinge gibt, die er/sie nicht benutzt: Dann fällt es wohl leichter zu verzichten und Belohnung ist wichtig. Sobald man auf etwas verzichtet, darf man sich belohnen. Man kann sich überlegen: Wenn ich nun weniger habe, wovon habe ich dann dafür mehr? Wenn man beispielsweise auf Shoppen verzichtet, hat man mehr Zeit und was macht man dann mit der Zeit? Solche Gedanken können sehr motivierend sein beim Prozess des Loslassens.

Wohin führen Sie Ihre nächsten Reisen beziehungsweise welche Orte reizen Sie?

Ich plane nicht so weit im Voraus, deswegen weiß ich nicht, was als nächstes kommt. Aber mich reizen: Südamerika, Afrika, Kap Verde, Osteuropa, das Baltikum, Alaska, Japan, Iran, Libanon, Jordanien, Afghanistan auch die Mongolei und Russland. Die Welt ist einfach zu spannend.

Herzlichen Dank an Katharina Finke für das inspirierende Interview! 🙂

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Fotos: David Weyand

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