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Zeit für Goethe und Schiller: Eine literarische Reise durch Weimar

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Weimar ist zauberhaft; eine Stadt der Erinnerung und vor allem – der Literatur. Vieles trägt hier den Namen Goethes oder schmückt sich mit seinem Bild. Auch Schiller ist überall präsent. Auf meiner literarisch inspirierten Reise durch Weimar habe ich die Orte besucht, an denen die beiden größten deutschen Dichter und engen Freunde gelebt haben. Ich habe ihre Arbeitszimmer besucht, ihre Handschriften gelesen und konnte den Zauber der Umgebung spüren, in denen sie Inspiration und Anregung für ihr Schaffen fanden.

“Wählen Sie Weimar zu Ihrem Wohnort…Wo finden Sie auf einem so engen Raum noch so viel Gutes…“ – Johann Wolfgang von Goethe

Weimar ist genauso klein, wie erwartet. Ein Plan ist quasi überflüssig, da man auf einem gemütlichen Spaziergang die komplette Altstadt mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten bequem erkunden kann und sich ebenso schnell zurechtfindet. Weimars Zentrum erscheint wie gemalt, gemütlich, historisch und gut für’s Herz. Die Kunst hat hier einen hohen Stellenwert und ist ein ständiger Begleiter, angefangen bei den hübschen Häuserfassaden bis hin zum Goethe und Schiller Denkmal am Theaterplatz und den Museen der Stadt. Abseits der in Reiseführern empfohlenen Plätze warten in Weimar auch viele hübsche Gassen auf Spaziergänger. Das Geräusch von Hufgetrappel auf Pflastersteinen ist ein ständiger Begleiter.

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Die Schillerstraße ist die “Einkaufsmeile“ der Stadt, hier reihen sich viele kleine Geschäfte und Cafés aneinander. Weimar ist eine beschauliche Kleinstadt und in einer Woche gehe ich mehrmals die gleichen Wege. Aber ich merke schnell, dass das manchmal genau das Richtige ist. Auf meiner Literaturreise durch Weimar treffe ich überall auf Goethe und Schiller und folge ihren Spuren.

Theaterplatz

Der Theaterplatz ist einer der zentralen Plätze von Weimar. Vor dem Deutschen Nationaltheater treffe ich zum ersten Mal auf Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Ich setze mich in ein Café direkt am Platz, mit bestem Blick auf das Denkmal. Obwohl Schiller um einiges größer war als Goethe, traute man sich damals nicht, ihn auch so darzustellen. Daher bilden die beiden heute ein ausgeglichenes Gesamtkonzept. Nur an seiner Haltung ist Schillers wahre Größe zu erahnen. Freundschaftlich legt Goethe ihm den linken Arm auf die Schulter. In der rechten Hand hält er einen Lorbeerkranz, Schiller eine Schriftrolle in seiner linken. Zu Goethes Füßen steht eine Vase mit frischen Blumen.

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Schillers Wohnhaus

In diesem Haus lebte Schiller mit seiner Familie von 1802 bis zu seinem Tod am 9. Mai 1805. Der Zutritt erfolgt über das Hinterhaus, in dem sich auch eine Ausstellung über Schillers Lebensweg bis zur Ankunft in Weimar 1799 befindet. Das eigentliche Wohnhaus ist größer, als ich es mir vorgestellt habe. Bunte Tapeten verzieren die Räume; die Schlafzimmer sind klein, eigentlich eher Kammern. Umso größer und ausgeschmückter sind die Gesellschaftsräume. Neben der beeindruckenden Schiller-Büste steht hier auch eine Büste von Goethe, der häufig Gast im Haus war. Außerdem gehören zu den Ausstellungsstücken u.a. Spielzeuge der Kinder und eine echte Schiller-Locke. Am nächsten komme ich Schiller in seinem Arbeitszimmer, das von allen Räumen im Haus am authentischsten eingerichtet ist. Die grüne Tapete ist der Originalen nachempfunden, die von ihm selbst ausgesucht wurde. Die Handschrift, das Tintenfass und die Feder auf seinem Schreibtisch erwecken den Anschein, als würde der Hausherr gleich wieder zur Tür hereinkommen.

Nach dem Besuch des Museums wartet das Eiscafé Gelateria Giancarlo gegenüber mit leckeren Waffeln und dem besten Blick auf Schillers Wohnhaus.

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Park an der Ilm

Weimar ist eine Stadt für die Seele, hier fühlt man sich schlagartig wohl. So laufe ich dann auch glücklich und mit einem Grinsen im Gesicht durch den Park. Ich stelle mir vor, dass Goethe und Schiller häufig am Fluss entlang spaziert sind und sich dabei über die Welt und ihre Arbeit ausgetauscht haben. Der Park erstreckt sich über eine riesige Fläche, in der es viel zu entdecken gibt. Vor allem kann man sich hier herrlich verirren. Hohe Wiesen machen den Großteil des Parks aus, daneben gibt es im vorderen Bereich einige Liegewisen. Links von der Ilm geht der Park eher in einen dichten Wald über. Obwohl so nah an der Stadt, ist man dennoch direkt in der Natur. Hier treffe ich u.a. auf ein Denkmal von William Shakespeare (aus echtem Carrara-Marmor, wie auch der David von Michelangelo!). Als Goethe Theaterdirektor in Weimar war, wurden auch einige Stücke des britischen Dramatikers hier aufgeführt.

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Goethes Gartenhaus

Das Highlight des Parks bildet Goethes Gartenhaus. Das kleine Haus am Hang rechts von der Ilm ist schon von Weitem zu sehen. Der Dichter zog hier ein, als er 1776 nach Weimar kam. Er blieb für sechs Jahre, bis er in die Stadt umzog. Er war begeisterter Gärtner und behielt das Haus auch nach dem Umzug weiterhin als Rückzugsort. Noch heute ist es hier ruhiger als an den anderen Museen im Zentrum, wo man nie alleine ist. Die Einrichtung des Hauses ist einfach, u.a. sind Goethes Reisebett und die zwei Gedichte “Der Erlkönig“ und “An den Mond“ ausgestellt. Das eigentliche Highlight ist aber natürlich der Garten, er ist auch kostenlos zugänglich. Geprägt ist er durch viele Blumenbeete, Terrassen und mehrere kleine Sitzecken. Goethe hatte von hier einen weiten Blick über den Park und konnte Besucher schon früh kommen sehen. Ich schaue mich um, hebe verstohlen drei Blütenblätter vom Boden auf und lege sie in meine Ausgabe von Goethes Werther, mit der ich es mir auf einer Bank gemütlich gemacht habe. Zu Hause werden die getrockneten Blüten die Erinnerungen an diesen schönen Tag zurückbringen.

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Goethes Wohnhaus am Frauenplan

In Goethes Wohnhaus werde ich auf lateinisch begrüßt: “Salve“ ist hier auf der Türschwelle zu lesen. Neben zwei Statuen zierte früher auch eine große Karte von Rom den Eingangsbereich, sie hängt heute in Goethes Gartenhaus. Trotzdem ist auch heute noch überall die Liebe des Dichters zu Italien spürbar. Es folgen viele Räume, in denen Kopien italienischer Kunstwerke ausgestellt sind. Goethe nutzte sie für seine Studien. Im Arbeitszimmer hielt er sich am häufigsten auf, betreten kann man es allerdings nicht. Dafür aber den schönen Garten, den Goethe gerne zur Erholung nutzte. Außerdem ließ er hier Gemüse anbauen und führte Studien der Botanik durch.

Die Ausstellung im Nationalmuseum im Nebengebäude ist ebenfalls sehr interessant, sie beleuchtet verschiedene Aspekte von Goethes Leben. Zu sehen sind wertvolle Stücke wie sein Reisemantel, seine Stiefel oder das Puppentheater, das er seinem Sohn August schenkte.

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Goethe- und Schiller-Archiv

Im ältesten Literaturarchiv Deutschlands finden wechselnde Ausstellungen statt, die originale Handschriften von Schriftstellern, Philosophen und anderen Künstlern zeigen. Der Eintritt ist frei und der Besuch lohnt sich nicht zuletzt auch wegen des schönen Blicks, den man von hier über die Stadt genießt.

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Noch mehr schöne Ecken in Weimar

Weimarer Stadtschloss

Hier sind die Geschichte der Weimarer Residenz und ihre Kunstsammlung ausgestellt. Ich fand allerdings den Festsaal im ersten Obergeschoss und das Treppenhaus am beeindruckendsten.

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Herderplatz

Der Herderplatz ist im Vergleich zum Theaterplatz ein etwas ruhigerer Ort im Zentrum von Weimar. Von den ansässigen Cafés und Restaurants hat man einen tollen Blick über den ganzen Platz, die ihn dominierende Stadtkirche St. Peter und Paul und die hübschen Häuserfassaden.

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Marktplatz

Den Marktplatz von Weimar schmückt das neugotische Rathaus mit Glockenturm. Der Markt hat von Montag bis Samstag geöffnet, angeboten werden u.a. Obst, Gemüse, Blumen und Körbe. Hier befinden sich auch die Tourismusinformation und das Theater im Gewölbe.

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Café & Restaurant ANNO 1900

In Weimar gibt es sehr viele hübsche Cafés und Restaurants und das nächste befindet sich nie weit entfernt. Besonders bezaubernd und idyllisch ist die Atmosphäre im ANNO 1900, einem der ältesten Restaurants der Stadt. Hier kann man ganz besonders schön von vergangenen Zeiten träumen.

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Herzlichen Dank an den Tourismusservice Weimar, der meine Reise unterstützt hat.

7 Kommentare

  1. Was für ein Zufall, ich war gestern auch in Weimar und dann die kleine Stadt bezaubernd 🙂 Ich konnte an einem Tag nicht so viel sehen, wie ich es mir gewünscht hätte, daher finde ich deinen Artikel eine wunderbare Ergänzung. Goethes und Schillers Häuser habe ich z.B. nur von außen gesehen. Weimar ist auf jeden Fall noch ein Besuch wert.
    Viele Grüße
    Maria

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    • Das freut mich. Ich wollte schon lange mal nach Weimar und es war wirklich so schön, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Obwohl ich mehrere Tage dort war, habe ich auch einiges nicht geschafft. Dann müssen wir also beide nochmal hin 🙂 Liebe Grüße

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  2. Bert sagt

    Ein toll zu lesender Bericht über eine der schönsten Städte Deutschlands. Schade jedoch, dass hierbei einige der interessantesten Ecken Weimars nicht berücksichtigt wurden (Tiefurter Park / Schloss, Belvedere, Ettersburg). Ich hoffe jedoch, dass du diese wenigstens für dich erkundet hast, da du ansonsten etwas verpasst hättest. 😉

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  3. R. Happ sagt

    Sehr schöne Bilder, sehr schöne Kommentare. Ich bin dankbar, in dieser schönen Stadt zu leben, die mir sehr viel gibt.

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    • Herzlichen Dank, ich habe die paar Tage in Weimar sehr genossen. Eine tolle Stadt, die man erlebt haben muss. Gerne auch mal wieder 🙂

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  4. Alex sagt

    Wirklich schöner Bericht, der Weimar ganz genau so widerspiegelt, wie ich es auf inzwischen sechs Studienreisen mit meinen Deutschkursen erlebt habe. Ich fühle mich direkt wieder in die Stadt versetzt. Die letzte Reise ist gerade einmal zehn Tage her. Es gibt aber jedes Mal noch neue Dinge zu entdecken und es wird nie langweilig, in Weimar die Seele baumeln zu lassen.

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