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Your Home Is My Castle: Interview mit Jessica Braun und Christoph Koch

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“Wenn uns zwei Australier den Schlüssel für ihr Haus am anderen Ende der Welt überlassen, wenn wir ausprobieren können, wie es sich in Barcelona oder Paris lebt – warum also nicht?“ Das dachten sich Jessica Braun und Christoph Koch und reisen seit 2014 als Wohnungstauscher um die Welt. In ihrem Buch geben sie nun ihre Erfahrungen und wertvolle Tipps weiter.

Wer träumt nicht ab und zu davon, den einstudierten Alltag für einen kurzen Zeitraum zu verlassen und in ein anderes Leben an einem anderen Ort zu schlüpfen? Wenn ein Tag mal wieder dem Vorherigen gleicht und die Gedanken die Koffer packen und um die Welt reisen: Wie würde sich das Leben wohl in Florenz anfühlen? Oder London? Jessica Braun und Christoph Koch wissen, wie das ist, denn sie tauschen regelmäßig ihre Wohnung – und häufig auch den Alltag. Von einer Woche Urlaub in Paris, Kopenhagen oder England bis hin zu drei Monaten Leben in Kalifornien haben sie schon viel ausprobiert. In ihrem Buch Your Home Is My Castle führen sie den Leser durch alle Schritte des Hausstausches – die Anmeldung auf den unterschiedlichen Plattformen, die Suche nach geeigneten Tauschpartnern und -orten, das Ankommen in der fremden Wohnung etc. – und schaffen es dabei (zumindest bei mir), alle Zweifel aus dem Weg zu räumen.

Die beiden wirken unheimlich locker und ehrlich; eigentlich genauso, wie sie auch die Tausch-Community beschreiben. Kein Wunder, wenn man seine Wohnung fremden Leuten überlässt, spielen Ehrlichkeit und Authentizität natürlich eine enorm große Rolle. Das Buch ist mit 18 Checklisten und persönlichen Tipps zu den Destinationen Ratgeber und unterhaltsamer Erlebnisbericht in Einem. Und die Idee des Haustausches erscheint nach der Lektüre noch um einiges interessanter…

Themen:

Haustausch, Abenteuer

Lesetipp für:

Alle, die so einen Wohnungstausch auch mal ausprobieren oder den Autoren einfach für einen kurzen Lesemoment in ein anderes Leben folgen wollen.

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Fotos: Jessica Braun und Christoph Koch


Autoreninterview mit Jessica Braun und Christoph Koch


Sie beschreiben in Ihrem Buch viele Vorteile und auch Besonderheiten des Wohnungstausches. Worin liegt für Sie dabei die größte Faszination?

Christoph: Für uns ist das Schönste am Wohnungstausch, dass wir das Reiseziel nicht nur von seiner touristischen Seite kennenlernen. Sondern ein Stück weit so leben, wie die Einheimischen vor Ort. Das nimmt sich zwar fast jeder Reisende vor und es wird oft versprochen, aber beim Wohnungs- oder Haustausch kommt man gar nicht drum herum. Das liegt zum einen daran, dass man nicht im Hotel in einer typischen Hotelgegend wohnt, sondern in einem ganz normalen Wohnviertel. Und zum anderen daran, dass man nicht nur Sehenswürdigkeiten aus dem Reiseführer besichtigt, sondern auch oft den Tipps folgt, die einem die Tauschpartner geben. Und die wissen ja am besten, was ihr Heimatort zu bieten hat.

Haben Sie sich schon einmal in einen Ort und eine Unterkunft so sehr verliebt, dass Sie gar nicht mehr gehen wollten?

Jessica: Häufig tauschen wir zwei oder drei Wochen, also für die klassische Urlaubslänge. Aber unser längster Tausch bisher waren drei Monate im kalifornischen Oakland, der Nachbarstadt von San Francisco. Dort hat es uns wahnsinnig gut gefallen und als der Abschied nahte, wurde uns beiden das Herz ganz schwer. Das lag vor allem an den vielen tollen Erlebnissen, die wir in der Zeit hatten. Wir waren bei Baseball- und Footballspielen der örtlichen Mannschaften, verteilten an Halloween Süßigkeiten an verkleidete Kinder und verlebten an Thanksgiving mit einer befreundeten Familie das traditionelle Abendessen mit Truthahn (und Resten für die nächsten drei Tage). Wir hatten eine Lieblingspizzeria, eine Lieblingsbar und eine perfekte Joggingstrecke gefunden. Das ist dann irgendwann kein Urlaub mehr, sondern eher ein neues Leben auf Probe. Und das hat uns in diesem Fall sehr gut gefallen.

Fällt der Abschied generell schwerer als vielleicht im Hotel?

Jessica: Ich war noch nicht drei Monate am Stück in einem Hotel, deshalb kann ich nicht beschwören, dass einem der Abschied dort nicht auch mal schwerfallen kann. Aber tendenziell sind Hotels ja eher darauf ausgelegt, dass man sich zwar wohlfühlt, aber nicht wirklich zuhause. Sie sind austauschbarer als die Wohnungen und Häuser, in denen wir so waren. Die hatten alle ihre Besonderheiten: vom mitgetauschten Jaguar in der Garage in Australien bis zur Outdoorküche mit Mangobaum in Mexiko.

Was mir besonders gefällt ist, dass Sie bei der Auswahl der Destinationen keine Bucket List abhaken, sondern eher spontan sind. Würden Sie diesen Tipp generell auch an andere Wohnungstauscher weitergeben?

Christoph: Unbedingt. Wer zu einem bestimmten Termin in eine bestimmte Stadt will – und dann noch exakte Vorstellungen hat, wie das Domizil auszusehen hat – der wird beim Haustausch möglicherweise frustriert. Wir haben einfach unsere Wohnung inseriert und warten ab, welche Tauschangebote kommen. Das spart Zeit und gleichzeitig landen wir an Orten, auf die wir selber nie gekommen wären. Wir waren zwar auch an klassischen Feriendestinationen wie Barcelona, Paris oder Kopenhagen. Aber unsere Aufenthalte in Oakland, der britischen Kleinstadt High Wycombe oder im amerikanischen Princeton haben uns mindestens genauso gut gefallen.

Sie tauschen oft nicht nur die Wohnung, sondern auch den Alltag. In welchem Land hat Ihnen das alltägliche Leben bisher am besten gefallen?

Jessica: Oakland war wie schon gesagt, ein sehr schönes Erlebnis. Aber auch der Monat, den wir in Oaxaca im Süden Mexikos verbracht haben, war spannend. Die Region ist unglaublich vielfältig, weil es so viele verschiedene Bevölkerungsgruppen gibt, die alle eigene Trachten, Legenden und Riten haben. Wir durften jede Menge Gerichte probieren, die wir vorher nicht kannten und lernten interessante Menschen kennen, darunter einen Hobby-Archäologen und eine Heilerin. Die Oma unserer Tauschpartnerin ist mit uns zu befreundeten Kunsthandwerkern gefahren, deren Werkstätten wir sonst sicher nicht entdeckt hätten. Am meisten gefreut hat uns wohl die Einladung zu einem Kindergeburtstag.

Haben Sie den nächsten Tausch schon geplant und wenn ja, wohin geht es?

Christoph: Wir beantworten diese Fragen per Mail aus Turin, wo wir für drei Wochen in einer schönen Wohnung mit zwei niedlichen Katzen und Blick auf die Alpen sowie die herrliche Altstadt wohnen. Was danach kommt? Ist noch nicht hundertprozentig klar, aber mit einem Ehepaar in Innsbruck und einem in Texas sind wir schon mehr oder weniger einig. Alpen und Wüste, Schlutzkrapfen und Barbecue – ein schöner Kontrast. Aber das macht das Haustauschen ja so reizvoll.

Lieben Dank Jessica Braun und Christoph Koch für das schöne Interview. Mehr Informationen zum Buch gibt es hier.

1 Kommentar

  1. So etwas könnte ich mir auch sehr gut vorstellen, in den Alltag in einem anderen Land einfühlen und richtig authentisch erleben. Großartig!
    Vielen Dank für den tollen Beitrag! 😃

    Ganz liebe Grüße!

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