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Weltherz: Interview mit Markus Steiner

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“Ich wollte leben, mich lebendig fühlen. Ich wollte wissen, auf welche Weise man leben kann. Ich wollte die Vielfalt der Welt erfahren und mit der Natur verbunden sein. Ich wollte Klarheit.“ Also kündigt Markus Steiner seinen Job in Deutschland und begibt sich auf Weltreise – von Tel Aviv über den Mount Everest, ins australische Outback bis nach Burma.

Markus Steiner ist dabei nicht nur auf der Suche nach sich selbst, sondern auch nach der Zeit. Er möchte im Hier und Jetzt leben. Den Moment leben. In Nepal lernt er ein neues Zeitgefühl kennen und findet vor allem eines: die Langsamkeit. Beim Meditieren in Thailand wird er von der Fülle an philosophischen Fragen, die ihm in den Kopf strömen, beinah erschlagen – und schafft es doch, diese zu ordnen und einige für sich zu beantworten.

Sein ständiger Gefährte auf der Reise um die Welt ist sein Tagebuch, das ihm Halt und Schöpfungsquelle zugleich ist. Seine Beschreibungen der Orte, die er besucht und Begegnungen sind ganz besonders nah am Geschehen, mit vielen Metaphern erschafft er in seinem Buch Weltherz poetische Welten. Und lässt dabei den Leser mit vielen Fragen zurück, die jeder nur für sich allein beantworten kann.

Themen:

Weltreise, Abenteuer, Philosophie

Lesetipp für:

Abenteuerlustige und alle, die sich gern in poetischen Reiseberichten verlieren

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Autoreninterview mit Markus Steiner


Was ist Ihr persönlicher Sehnsuchtsort?

Es zündelt so eine Sehnsucht nach Natur in mir. Ein Leser meines Buchs WELTHERZ schrieb einen hübschen Gedanken auf: Wir sind besessen von
der Ego-Idee. Die Natur aber, die setzt auf Gemeinsames. Im Himalaja, als ich auf meinem ersten 5000er Gipfel stand, habe ich gelernt: Ich bin Teil der Natur. Überall, wo ich ohne Schirm, Sonnenbrille und Smartphone, überall, wo ich ohne Ablenkung, wo ich in Verbindung sein kann, mit mir, mit der Natur, mit Menschen, ertränke ich Sehnsucht.

Welcher Ort hat Sie auf der Reise am meisten berührt und warum?

Ich denke nicht in Superlativen. Ich denke in Momenten. Will Bilder, die mich reich machen, die bis zum Ende haften bleiben. Momente der Magie habe ich im Himalaja ebenso erlebt, wie in Indien, Japan, Vietnam oder Burma. In Burma bewegt die Unversehrtheit. Die Schönheit des Mangels. Hier sind sie noch nicht überrumpelt worden. Hier konservieren sie noch einen hübschen Frieden. Doch selbst in diesem rätselhaften Land werden die Leute schon angetrieben, nach dem Glück zu jagen, das unsere Seelen und Herzen längst durchlöchert hat.

Auf Ihrer Reise haben Sie viele Antworten auf Ihre Fragen erhalten.
Verraten Sie mir eine der wichtigsten Erkenntnisse?

Habe ich das? Und sind die Antworten das Entscheidende? Ja, sicher, im
Buch gibt es Antworten. Doch ich habe mich mehr mit dem Fragen beschäftigt. Ich habe gelernt, reichere Fragen zu stellen. Fragen, die mich, die mein Leben angehen, meine Lebendigkeit betreffen. Fragen zur Welt, zu ihrer Natur, ihrem Wesen. Ich habe gelernt, unter der richtigen Laterne nach dem Haustürschlüssel, nach meiner Freiheit zu suchen. Alles beginnt mit weniger. Und der Zurückeroberung des Denkens. Und des Fühlens. So habe ich auch eine veränderte Verbindung zur Zeit gewinnen können. Nun lebe ich von Tag zu Tag. Ich lebe frei. Weil ich mir die Zeit gekrallt habe. Mich auf sie einlasse. Sie gehört wieder mir. Jeder Augenblick.

Sind Sie gerade wieder unterwegs und wieviel Zeit verbringen Sie noch in Deutschland?

Im November bin ich mit WELTHERZ auf Lese-Tour in Deutschland. Das ist hübsch, weil ich Monate in einer Holzhütte im Wald gehockt und geschrieben habe und nun Leser treffen kann. Aber bald geht es wieder die Straße runter: Afrika diesmal. Ich will mich erneut diesem Gefühl aussetzen, nicht zu wissen: Was wird passieren, wie soll ich mich benehmen. Es gibt keinen Plan, ich stelle mich an die Straße – los geht’s. Und dann fühlen, was die Reise mit mir macht. Einen Monat vielleicht. Oder zwei, oder drei. Vielleicht ein weiteres Jahr Welt fühlen, riechen, schmecken. Das entscheidet jeder Moment, wird befeuert durch das Gefühl, weiter treiben zu wollen oder in der Routine zu versinken, durch den Fluss der Reise, der mir sagt: Aufbrechen!

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© Markus Steiner

Herzlichen Dank für das schöne Interview!

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