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Torsten Woywods Reise zu den schönsten Buchhandlungen der Welt

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“Buchhandlungen sind der Inbegriff des Glücks und meine zweite Heimat. Wo Buchhandlungen sind, bin auch ich gern. Ich liebe Buchhandlungen.“

Diese Liebe zeigt sich in jeder einzelnen Beschreibung der Buchhandlungen, die Torsten Woywod auf seinen Reisen besucht hat. Der Buchhändler machte sich 2015 auf, um innerhalb von 4 Wochen 12 Länder und 60 Buchhandlungen zu besuchen.

Dabei entdeckt er Buchhandlungen in Kirchen und Ballsälen, Freiluft-Buchhandlungen, eine ganze Bücherstraße in Madrid und die größte Buchhandlung Europas in London. Die habe ich mir natürlich direkt für meine nächste London-Reise notiert. Dank Woywod weiß ich nun auch, dass sich die älteste Buchhandlung der Welt in Lissabon befindet und diese Literaturorte nicht selten mindestens ebenso einen Besuch wert sind, wie die berühmtesten Sehenswürdigkeiten einer Stadt.

In 60 Buchhandlungen durch Europa ist eine Liebeserklärung an das Buch, ganz besondere Bücherorte und das Reisen selbst. In einige Orte, wie die Livraria Lello in Porto, verliebe ich mich durch die Fotos sofort und sitze in Gedanken schon mit einem Buch in der Hand zwischen den Regalen. Dabei ist es besonders spannendend, in die einzelnen Geschichten der Buchhandlungen einzutauchen, die teilweise viele Jahrzehnte zurückreichen.

In seinem 2017 erschienenen zweiten Buch In 80 Buchhandlungen um die Welt begibt sich Torsten Woywod sogar auf Weltreise, um noch mehr magische Bücherorte zu entdecken. Und erlebt dabei auch einige kuriose Situationen. Er schläft z.B. in Tokio in einem Bücherregal, besucht ein Hogwarts Café in Peking und trifft auf Bücherstapel in allen möglichen Farben und Formen. Ich hatte bisher auch keine Ahnung, dass es so viele Arten von Outdoor-Buchhandlungen gibt.

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Woywods Reiseberichte entführen den Leser mit viel Liebe zum Detail in die fantastische Welt der Bücher, in der man sich sogleich verlieren möchte. Er plaudert mit Buchhändlern, die ihn gerne in die Geschichte der Orte einführen und sammelt Zitate, die ihm unterwegs begegnen. Es sind diese herzlichen Begegnungen, die seine Reiseberichte lebendig machen.

Meine Neugier, neue (Bücher-)Orte zu entdecken, ist auf jeden Fall geweckt und ich freue mich schon jetzt darauf, mich bei meinen nächsten Reisen von Woywods Tipps inspirieren zu lassen!

Themen:

Reisen, Literatur

Lesetipp für:

Buchhändler und alle anderen Bücherfreunde


Autoreninterview mit Torsten Woywod

Lieber Herr Woywod, wie ist die Idee zu Ihrer ersten Reise zu Europas schönsten Buchläden entstanden?

Um ehrlich zu sein, ist die erste Reise relativ zufällig zustande gekommen. Ich würde sagen, dass es eine Mischung aus einem lang gehegten Traum und einer großen Portion Glück war. Nicht nur, weil ich vor knapp 15 Jahren eine Ausbildung zum Buchhändler absolviert habe, bin ich diesem Bereich ein wenig „vorbelastet“; (m)eine Leidenschaft für Buchhandlungen war jedoch schon immer vorhanden: Egal, wo ich auch bin – ich kann und konnte mich stets darauf verlassen, dass mich die nächstgelegene Buchhandlung sehr zuverlässig anzieht und zu einer ausgiebigen Erkundungstour einlädt. Gerade in der schnelllebigen Zeit, in der wir heute leben, verströmen Buchhandlungen eine außergewöhnliche Ruhe und Vertrautheit – noch dazu kann man dort nicht nur Geschichten in Buchform kaufen, sondern Buchhandlungen haben zumeist auch selbst eine ganz eigene, besondere Geschichte zu erzählen.

Spätestens als ich die wunderschöne Buchhandlung in Maastricht zum ersten Mal besucht hatte, die in der ältesten gotischen Kirche der Niederlande beheimatet ist, erwuchs aus dieser Leidenschaft ein Traum vom Reisen; ich wollte in Buchhandlungen um die Welt reisen.
Genau darüber schrieb ich einen Artikel in einer Online-Buchcommunity, auf den drei große Reiseführerverlage aufmerksam wurden und mir anboten, die Umsetzung dieses Traums – zumindest für Europa und in Form eines Interrail-Tickets – zu unterstützen.
Diese Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so nahm ich meinen gesamten Jahresurlaub am Stück, um innerhalb eines Monats zwölf europäische Länder und 60 ausgewählte Buchhandlungen zu besuchen. Am Ende dieser Tour folgten mir nicht nur über 10.000 virtuelle Reisebegleiter via Facebook, sondern ich hatte auch etwas gelernt: diese Art des Reisens – mit all ihren Eindrücken und Erlebnissen – gefiel mir so gut, dass ich es fortsetzen musste.

Welche Bücher nehmen Sie am liebsten mit auf Reisen?

Inzwischen – ehrlich gesagt – gar keine mehr; stattdessen kaufe ich mir die Lieblingsbücher der Buchhändler, denen ich unterwegs begegne. So entdeckt man immer tolle neue Literatur. Und wenn ich die entsprechenden Bücher ausgelesen habe, setze ich sie – mit einer kleinen persönlichen Notiz ausgestattet – in Zügen oder am Flughafen aus; immer in der Hoffnung, dass die Lektüre dem nächsten Leser ebenso viel Freude bereiten wird, wie mir.

Wie sehr unterscheiden sich die Buchhandlungen von Land zu Land? Sind Ihnen spezielle Besonderheiten aufgefallen?

Ich glaube nicht, dass man hier eine klare Trennung vornehmen kann, was Länderspezifika anbelangt. Selbst innerhalb Deutschlands gibt es sehr unterschiedliche Konzepte, und so verhält es sich auch mit der Buchhandelsvielfalt weltweit. Einige Auffälligkeiten gibt es dennoch: In China und Südkorea sind viele Buchhandlungen mit sogenannten »Community Tables« ausgestattet – sehr große Tische, an denen gemeinsam gelesen, diskutiert oder gearbeitet wird. So etwas ist mir aber auch schon in Italien begegnet.

Der vielleicht größte Unterschied ist das Selbstverständnis der Kunden: Vor allem in Asien ist es beispielsweise so, dass Buchhandlungen als »dritter Ort« neben Wohnung und Arbeit verstanden werden. Man hält sich hier gerne und lange auf – und macht es sich gemütlich. So ist es keine Seltenheit, dass viele Asiaten – als Ausdruck des eigenen Wohlbefindens – lesend auf dem Boden zwischen den Regalen sitzen…für mich im ersten Moment ein ungewohntes, aber sehr schönes Bild.

Welche Buchhandlung hat Sie auf Ihren Reisen am meisten beeindruckt?

Ich finde es sehr, sehr schwierig – um nicht zu sagen: unmöglich – all die Besonderheiten und Eigenschaften der besuchten Buchhandlungen gegeneinander aufzuwiegen: Manche Buchhandlungen zeichnet eine besondere Architektur aus, andere bestechen durch Persönlichkeit, Atmosphäre oder ihre Geschichte. So entdeckte ich Buchhandlungen, die ganze Städte ausmachen; Buchhandlungen, die »Blind Date Books« bis ans andere Ende der Welt verkaufen; Buchhandlungen, die aus einer Fernsehserie hervorgegangen sind; Buchhandlungen, die in Folge eines Liebeskummers entstanden sind…ich könnte endlos so weitermachen.

Wenn ich mich trotzdem entscheiden müsste, würde ich das El Ateneo Grand Splendid in Buenos Aires benennen: Ein umgebautes Theater, in dem eine wahrhaft einzigartige Atmosphäre herrscht. 1919 errichtet, waren hier in der Anfangszeit Tango-Legenden wie Francisco Canaro zu Gast. Vor knapp 20 Jahren wurde es zu einer Buchhandlung umfunktioniert, wobei der ursprüngliche Charakter auf beeindruckende Weise beibehalten wurde. In einem warmen, goldenen Licht erstrahlen die Ränge und Logen zu den Seiten, während die samtrot umrahmte Bühne heute Veranstaltungsfläche und Café zugleich ist. Dazwischen: Unmengen an Büchern jeglicher Couleur. Doch nicht nur die Kulisse ist atemberaubend schön – hier passt einfach alles und fügt sich nahtlos sowie unaufgeregt ineinander…Während meines gesamten Aufenthalts in Buenos Aires habe ich jeden Abend in dieser Buchhandlung verbracht.

Können Sie auch Bücherorte in Deutschland empfehlen, die man unbedingt gesehen haben sollte?

Ich denke, wir können uns sehr glücklich schätzen, hierzulande nicht nur um eine sehr hohe Buchhandelsdichte, sondern auch um eine große Buchhandelsvielfalt zu wissen. Es gibt riesige Buchhandlungen wie das KulturKaufhaus Dussmann in Berlin, das unglaubliche 7.300 Quadratmeter Verkaufsfläche misst – aber es gibt auch viele kleine, besondere Buchhandlungen, die mit Leidenschaft und Persönlichkeit geführt werden. Wie viel Kreativität und Herzblut die Branche bereithält, hat die „Woche unabhängiger Buchhandlungen“, die im November zum dritten Mal stattfand, erst wieder unter Beweis gestellt, an der sich über 600 Buchhandlungen mit vielfältigen Aktionen beteiligten.

Eine der schönsten Buchhandlungen befindet sich gewiss im Süden der Republik: Die Buchhandlung Taube in der Schillerstadt Marbach, die in der Wendelinskapelle beheimatet ist. Die Geschichte dieses Gebäudes geht bis ins 15. Jahrhundert zurück, wobei es in der Zwischenzeit mehrfach und sehr aufwändig restauriert wurde, sodass die Buchhandlung heute um eine sehr beeindruckende Kulisse weiß.

Ich danke  Torsten Woywod für das schöne Interview und dem Eden Verlag für die zwei Rezensionsexemplare. 

++ Ein Exemplar von In 80 Buchhandlungen um die Welt könnt Ihr noch bis zum 08.12. auf meiner Facebook-Seite gewinnen. Viel Glück! 🙂 ++

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen großartigen Beitrag und für das tolle Interview! 😃

    Die Bücher sind ja genau was für mich! Die werde ich mir jetzt gleich auf meine Wunschliste setzen. Ich lieeebe Buchhandlungen!

    Sehr cool ist, dass sich die angeblich schönste Buchhandlung Deutschlands ja gar nicht mal so weit weg von meinem Wohnort befindet! 😊 Die muss ich bei nächster Gelegenheit unbedingt mal besichtigen.

    Ganz liebe Grüße! 🙋🏻‍♀️

    Gefällt 1 Person

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