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Kurzurlaub auf Sizilien: Barockstädte, Amphitheater und der größte Vulkan Europas

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Um den Berliner Winter etwas zu verkürzen, haben wir Anfang des Jahres Flüge in den Süden gebucht. Unser Ziel: Catania, die Stadt am Fuß des Ätna an der Osküste Siziliens. Im Vorfeld hatte ich schon sehr Widersprüchliches gehört. “Muss man nicht gesehen haben, hat nichts zu bieten“ meinten die Einen, “viel Spaß in dieser barocken Schönheit“ wünschten die Anderen. Je durchwachsener die Erfahrungsberichte waren, umso mehr hatte ich mich dazu entschlossen, Catania eine Chance zu geben und mir selbst ein Bild zu machen. Darum geht es schließlich beim Reisen, oder?

Catania: Barockstadt am Fuß des Ätna

Es ist mein erstes Mal auf der Insel, bisher zog es mich eher nach Florenz, Rom oder den Gardasee. Gegenden also, die mit ihrem kulturhistorischen Erbe und pittoresken Landschaften jährlich Millionen von Besuchern anlocken. Auf dieser Reise habe ich bewusst ein anderes Italien erwartet und wurde diesbezüglich auch nicht enttäuscht. Sizilien ist mit Norditalien nicht zu vergleichen. Die Insel hat ihre ganz eigenen Schönheiten, Eigenheiten und Probleme. Nur 3 Flugstunden von Berlin entfernt, findet man sich hier in einer anderen Welt und Zeit wieder.

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Catania ist sicherlich keine klassische Schönheit auf den ersten Blick, aber mir gefällt es hier. Die Stadt ist reich an Geschichte und bezaubernden barocken Kirchen und Gebäuden. Sie wurden nach dem schweren Erdbeben von 1693, das die Stadt größtenteils zerstörte, aus Lavagestein im Sizilianischen Barock errichtet. Bis heute zeugen die Cattedrale di S. Agata und die benachbarte Badia di Sant’Agata sowie Paläste mit aufwendig geschmückten Fassaden von der damaligen Zeit und Wiederauferstehung der Stadt. Auch ihre Straßen sind schwarz. Was Catania neben der ganzen alten Pracht aber vor allem auch ausstrahlt, sind Stillstand und Verfall. Und eine große Portion an morbidem Charme. Für die Restaurierung der historischen Bauwerke fehlt das Geld. An vielen Kirchen sind Putten und Engelfiguren in Folie verpackt; wohl, um sie vor weiterem Verfall zu schützen. Catania ist keine reiche Stadt, das sieht man auch in vielen Straßen abseits der Haupt-Sehenswürdigkeiten. Innerhalb weniger Straßenzüge, verändert sich hier schnell die Atmosphäre.

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Dass die Stadt aber auch nach vorne sieht und es eben nicht nur Stillstand, sondern auch einen Wandel gibt, zeigt der San Berillo Art District, den wir zufällig auf unseren Streifzügen durch die Gassen des historischen Zentrums entdecken. San Berillo war einst das Rotlichtviertel der Stadt, heute sind viele Häuser verlassen und verfallen. Seit kurzem geben Street Art Künstler dem Viertel ein neues Gesicht und durch ihre Werke nicht nur Farbe, sondern auch ein neues Lebensgefühl.

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Ausflüge ab Catania: Ätna-Tour und Taormina

Bei gutem Wetter kann man den Ätna im Hintergrund der Stadt aufragen sehen; ist der Himmel bewölkt, verschwindet der Gigant. Wir haben Glück und machen uns an einem wolkenlosen Märzmorgen auf den Weg. Wir nehmen den Bus, der sich nach einem kurzen Zwischenstopp in Nicolosi die Serpentinen hinaufbewegt und uns auf fast 2.000m Höhe am Refugio Sapienza am Südhang des Vulkans absetzt. Eines noch immer sehr aktiven Vulkans, wohlgemerkt. Davon spüren wir heute glücklicherweise nichts. Die Kraft der Natur geht dennoch nicht an uns vorbei. Das Wetter wechselt im 5-Minute-Takt zwischen sonnig und wolkig. Was bleibt, sind Sturmböen, die uns bei den Silvestri-Kratern beinahe davon wehen und es uns schwer machen, vorwärtszukommen. Wir laufen also lieber schnell in den Krater hinein, um für einen Moment Schutz zu suchen. Es liegt noch immer so viel Schnee, wie ich seit Jahren zu Hause nicht gesehen habe und so wird dieser Ausflug kurzerhand zum Mini-Winterurlaub.

Da der Bus erst in sechs Stunden zurückfährt und wir uns einen so langen Aufenthalt bei den Wetterbedingungen doch nicht zutrauen, machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach unten. Wir verlassen die schneeweiße Winterlandschaft, die sich bald zurückzieht und links und rechts des Weges schwarze Lavafelder freigibt. Vereinzelt finden sich Kiefern zwischen den Lavabrocken, später entdecken wir die Überreste eines verschütteten Dorfes und verlassener Häuser am Hang. Auch ein Steinbruch liegt auf unserem Weg. Je tiefer wir kommen, umso ruhiger wird der Wind und es wird wärmer. Etwa vier Stunden später erreichen wir Nicolosi, erschöpft aber glücklich.

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Entzückendes Taormina

Als wir in Taormina ankommen, liegt ein feiner Nebelschleier über der Stadt und der Küste. Je höher wir vom Bahnhof die Serpentinen entlang in Richtung Altstadt spazieren, umso dichterer Nebel umgibt uns. Die Aussicht von hier oben, unter anderem auf die kleine Isola Bella, ist dennoch traumhaft. Wir kommen an einigen schönen Hotels aber auch verlassenen Villen vorbei, deren Terrassen von Pflanzen überwuchert werden. Es klart nicht mehr auf und als wir die Altstadt erreichen, kriecht der Nebel auch hier durch die schmalen Gassen. Für Farbtupfer sorgen unzählige Kakteen auf den Balkonen der Häuser und bunt bemalte Blumentöpfe, die Treppen und Durchgänge zieren.

Auch das Amphitheater wirkt in dieser Atmosphäre noch mystischer und die Reise in die Vergangenheit fällt besonders leicht. Nicht nur wegen des Wetters allein ist die Stadt heute eher verschlafen und wir sind froh, dass wir sie zu dieser Jahreszeit nur mit wenigen Besuchern teilen. Wie schon in Catania, sehen wir auch in Taormina viele freilebende Katzen. Sie werden von den Einheimischen gefüttert und scheinen sich besonders in Amphitheatern und Botanischen Gärten wohlzufühlen.

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Sizilien: praktische Tipps für Catania, Taormina & den Ätna

  • Wenn Ihr mit den öffentlichen Bussen fahren wollt, solltet Ihr genügend Zeit einplanen, um die richtige Haltestelle zu finden. Diese sind hier kaum richtig ausgeschildert. Seid am besten auch etwas früher da, die Busse fahren gerne nicht ganz planmäßig.
  • Einmal täglich fährt ein Bus (Linie 445, AST) vom Bahnhof Catania zum Ätna (um 08:15 Uhr, mit kurzem Zwischenstopp in Nocolosi). Dieser war schon in der Nebensaison sehr voll. Kommt also früh, wenn Ihr die Fahrt über nicht stehen wollt. Geführte Bustouren zum Ätna sind erheblich teurer.
  • Checkt vor Eurer Tour zum Ätna unbedingt die Wetterverhältnisse und achtet auf Sonnenschutz und passende Kleidung (Zwiebellook!).
  • Eine günstigere Alternative zu den Hop On Hop Off Bussen in Catania ist eine Stadtrundfahrt mit der kleinen Bahn Trenino (5€ pro Person). Sie startet ebenfalls an der Piazza del Duomo.
  • Von Catania kommt Ihr entweder mit dem Zug oder Bus nach Taormina, wobei Euch der Bus direkt in die Altstadt bringt.

1 Kommentar

  1. In Catania scheint sich doch was zu tun. Ich war 2007 da – hab auch nicht besonders wohlwollend darüber gebloggt – und fand es einfach nur dreckig und stinkend.

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