Clean up the Mess: Ozeankinder kämpfen gegen Plastikmüll in den Meeren

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An dieser Stelle möchte ich eine neue Kategorie einführen, in der ich von nun an regelmäßig Personen mit spannenden Projekten vorstellen werde. Unter anderem im Bereich Umweltschutz. Weil ich es sehr wichtig finde, diesen Einsatz zu unterstützen. Aufmerksam zu machen, Wissen weiterzugeben und Tipps zu teilen, wie wir alle unseren Beitrag für eine bessere (Um-)Welt leisten können.

Im ersten Porträt geht es um das Projekt Ozeankind® von Marina und Michael Schmidt. 2017 gaben die beiden ihr Leben in Düsseldorf auf, um ihre “große Liebe“, die Ozeane, zu retten. Seitdem haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, bei weltweiten CleanUps Plastik am Strand zu sammeln und damit gegen die Verschmutzung der Meere anzukämpfen. Seit kurzem ist Ozeankind® auch ein eingetragener Verein. Wie ihre Mission genau aussieht und wie Du selbst aktiv werden kannst, verraten die zwei im Interview.

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Interview mit den Ozeankind®-Gründern Marina und Michael Schmidt

1. Wie ist die Idee zum Projekt Ozeankind® entstanden?

Die Idee ist auf unserem letzten ungeplanten Urlaub vor unserer langen Auszeit im März 2016 entstanden. Eigentlich hatten wir jahrelang Geld gespart, um 2017 auf Weltreise zu gehen. Doch kam alles anders, denn rückblickend war genau diese Reise der Auslöser für Ozeankind®. Wir fanden uns völlig spontan auf einem Katamaran auf dem Indischen Ozean wieder. 10 Tage durch die Inselwelt der Malediven. Keine anderen Touristen, viel Natur, kein Internet. Dafür der Ozean, fünf weitere, bis dahin noch fremde Menschen, viel Zeit im Wasser und ne ganze Menge Zeit zum Nachdenken. Unser Tagesablauf sah immer gleich aus: 4-5 Stunden im Wasser, immer an verschiedenen Orten in verschiedenen Atollen. Neben einsamen, unberührten Inseln sahen wir Unmengen an Plastikmüll. Im Wasser oder eben auch auf unbewohnten Inseln. Das machte uns traurig und ziemlich nachdenklich. Wir stellten uns eine Menge Fragen und merkten schnell, das wir selbst aktiv werden mussten im Kampf gegen Plastikmüll. Ein Jahr später ist dann unser Blog entstanden: Ozeankind® war geboren.

2. Und wieso gerade die Ozeane? Was verbindet Euch speziell mit diesem Lebensraum?

Wir LIEBEN das Meer. Wirklich. Gut, wer tut das nicht?! Aber es ist der einzige Ort auf diesem Planeten, an dem wir alles um uns herum vergessen können. Nichts ist faszinierender als die Unterwasserwelt. Und Micha ist in Wirklichkeit ein Fisch, es gibt wohl keinen Menschen auf dieser Welt, der so lange Fische beobachten kann und dabei auch noch Spaß hat wie ein kleines Kind egal wie klein der Fisch auch sein mag. In den vergangenen acht Jahren waren wir ausschließlich in Ländern, die an einen Ozean grenzten, wir haben also auch vor Ozeankind® eine ganze Menge Zeit am Meer verbracht. Und die Tatsache, dass der Ozean, den wir kennen, ein ganz anderer ist als der Ozean vor 20 oder 30 Jahren, macht uns traurig. Wie würde es wohl in weiteren 20 Jahren aussehen? Wir möchten zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen, dass dieser Lebensraum dann mindestens genauso ist, wie er heutzutage ist.

3. Wie schlimm steht es denn wirklich um unsere Ozeane? Könnt ihr uns einen kurzen Überblick geben?

Puhhh….ok wo fangen wir da an? Seit 1950 wurden insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert und in Umlauf gebracht. Studien zufolge werden 2,6 Milliarden Tonnen des bislang produzierten Plastiks bis heute genutzt. Vieles landet davon auf Deponien, wird absichtlich im Meer versenkt, am Strand vergraben oder gelangt über Flüsse ins Meer. Plastik braucht ca. 450 Jahre, um in Einzelteile zu zerfallen. Plastik ist nie weg, es ändert nur seine Form. Selbst wenn es verbrannt wird, bleiben giftige Schlacken übrig. Jedes Jahr gelangen so etwa 8 Millionen Tonnen Müll, meist Verpackungsmüll, ins Meer. Das entspricht ungefähr der Ladung eines Müllwagens pro Minute. Experten sagen, dass es sogar noch schlimmer werden wird, wenn wir nichts daran ändern. Schon 2030 werden es bereits zwei Müllwagen pro Minute sein, und 2050 vier. Schon heute befinden sich Schätzungen zufolge etwa 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren.

Und was wir in Deutschland immer wieder vergessen auch wir haben die Nord- und Ostsee, auch wir haben Flüsse, die ins Meer münden und wir produzieren so viel Plastikmüll wie kein anderes Land in Europa. Und es ist keineswegs so, als hätten wir keine Schuld am Zustand der Ozeane im Gegenteil. Denn auch unser Müll und vor allem unser Mikroplastik landet in der Natur vielleicht nicht in den Mengen wie in Asien oder Afrika. Allein der Rhein transportiert von der Quelle bis zur Mündig 191 Millionen Plastikteile in Richtung Meer. Also, wer im Glashaus sitzt…

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4. Wie kann man Euch und Eure Mission unterstützen?

Wir sind seit wenigen Tagen ein eingetragener, gemeinnütziger Verein mit dem Namen Ozeankind® e.V. Man kann unsere Arbeit natürlich mit Geldspenden unterstützen (denn Plastiksammeln und alle aktuellen und zukünftigen Projekte kosten halt leider auch Geld) oder man kann auch gleich offizielles Fördermitglied bei uns werden. Für alle finanziellen Hilfen gibt es, da unsere Gemeinnützigkeit bereits anerkannt wurde, selbstverständlich auch eine Spendenquittung. In Zukunft soll es auch aktive Mitgliedschaften geben. Zudem veranstalten wir jeden Monat ein weltweites #Plastikrebell® CleanUp, da darf jeder der möchte vor seiner eigenen Haustür oder im Urlaub selbst aktiv werden und Müll sammeln. Auf unserer Webseite und den Social Media Kanälen rufen wir regelmäßig dazu auf und erklären den genauen Ablauf.

Denn zusammen mit allen Plastikrebellen dieser Welt verfolgen wir ein gemeinsames Ziel: Bis 2022 wollen wir gemeinsam mit der Ozeankind® Community mindestens 50.000 kg Müll sammeln. Allein im letzten Jahr haben wir schon fast 25.000 kg erreicht  in mehr als 20 Ländern dieser Erde. Wer mag, kann unsere Arbeit auch durch einen Kauf in unserem Plastikrebell® Onlineshop unterstützen. Hier bieten wir Alternativen zu Einwegplastik & tolle Upcycling Produkte an. 5% der jährlichen Gewinne spenden auch wir an unseren Verein Ozeankind® e.V.

5. Habt ihr Tipps, wie man Müll im Alltag und auf Reisen reduzieren kann?

Man darf gern „klein“ anfangen, jeder Schritt ist dabei wichtig! Wir haben genauso klein angefangen und sind noch lange nicht perfekt. Und es muss auch niemand perfekt sein! Aber wenn möglichst viele Menschen schon ganz kleine Dinge ändern, wäre unserer Umwelt schon eine ganze Menge geholfen. Und man darf vor allem Eines nie vergessen: Es ist keineswegs so, als dass wir alleine nichts bewegen könnten. Ozeankind® ist in den Köpfen zweier Menschen entstanden heute sind wir schon mehr als 5.000 Plastikrebellen und jeden Tag erreichen uns Nachrichten und Fotos von Menschen, die in der Natur Plastikmüll sammeln.

Es ist wie in der Geschichte mit dem kleinen Jungen, der Seesterne ins Meer wirft. Denn für diesen einen Seestern macht es einen Unterschied, ob er am Strand vertrocknet oder im Meer weiterleben kann. Genau so ist es auch mit Plastikmüll. Wir behaupten nie, dass wir alleine das Problem lösen können. Aber wir können unseren Teil der Antwort geben. Und jeder andere Mensch kann es uns gleichtun.

Tipps zur Müllvermeidung:

  • Beutel/Korb oder Rucksack statt Plastiktüte
  • so viele Plastikverpackungen meiden wie möglich
  • keine Plastiktüten für Obst & Gemüse oder Brot nutzen (wer mag, kann extra wiederverwendbare Gemüse- & Brotbeutel kaufen)
  • niemals Plastikstrohhalme nutzen (vor allem auf Reisen) entweder gar keine oder Alternativen aus Glas, Metall oder Bambus
  • Leitungswasser trinken oder Mehrweg-PET & Wasser in Glasflaschen kaufen
  • Mehrwegbecher & eigene Trinkflaschen nutzen für den Kaffe oder eben zum Trinken unterwegs
  • Mikropastikfreie Kosmetik nutzen, am besten gleich Seife und Shampoo in fester Form
  • Kleidung auf Mikroplastik-Fasern  (Polyester etc.) überprüfen
  • öfter mal auf dem Markt oder in Unverpackt-Läden einkaufen
  • Frauen können eine Menstruationstasse statt Tampons oder Binden nutzen

Unser Kassenzettel hat wirklich eine ganze Menge Macht. Und wer möchte, ist herzlich eingeladen, auch mal öffentlich mit den Supermärkten, in der Bar oder im Café zu schimpfen.


Weitere Infos und Termine für die nächsten CleanUps findest du auf dem Ozeankind® Blog. Es würde mich sehr freuen, wenn dich dieser Beitrag dazu motiviert hat, ebenfalls aktiv zu werden oder zumindest über das eigene Konsumverhalten nachzudenken. Wenn du selbst Tipps oder Anmerkungen hast, kannst du sie gern in den Kommentaren mit uns teilen.

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