Inselurlaub auf Rügen: Märchenhafte Orte und wilde Natur

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Deutschlands größte Insel Rügen ist ein Sehnsuchtsort in der Ostsee, deren romantisches Bild unter anderem durch viele Reiseberichte aus dem 19. Jahrhundert und die Gemälde des Malers Caspar David Friedrich geschaffen wurde. Zudem ranken sich zahlreiche Sagen und Märchen um die Insel und ihre wilde Natur. Auf unserer Reise über die Halbinsel Mönchgut, durch das große Waldgebiet der Granitz und zur Jasmund-Halbinsel mit den weltbekannten Kreidefelsen haben wir viele märchenhafte Orte entdeckt, die einst von Strandräubern, Zwergen und Riesen, Königen und dem guten Hausgeist Puk bewohnt wurden.

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Rügens legendäre Kreidefelsen

Rügens Kreideküste und den weltbekannten Königsstuhl entdecken wir auf einer Schiffstour vom Wasser aus. Der Nationalpark Jasmund zählt zum UNESCO Weltnaturerbe und beeindruckt auch aus dieser Perspektive. Die wahre Größe der Kreidefelsen ist schwer auszumachen und wird uns erst bewusst, als wir Menschen so klein wie Ameisen am Strand spazieren sehen. Immer wieder macht uns der Kapitän auf Kerben, Rinnsale und größere Wasserfälle im Stein aufmerksam. Auch die Stellen, an denen größere Stücke abgebrochen und ins Meer gestürzt sind, ist vom Schiff aus gut zu erkennen.

Die versteckten Piratenhöhlen, die es hier noch immer geben soll, bleiben unseren Blicken jedoch (natürlich) verborgen. Umso imposanter erstreckt sich der Königsstuhl 118 Meter in die Höhe. Hier thronte der Legende nach einst der König der Insel. König wurde nur der Mutigste, denn um gewählt zu werden, musste der Felsen vom Wasser aus erklommen werden.

“Rasender Roland“: Eisenbahnromantik auf Rügen

Einst erstreckte sich das Bahnnetz der Rügenschen Kleinbahn über die gesamte Insel Rügen und diente ausschließlich dem landwirtschaftlichen Güterverkehr. Übrig geblieben ist heute nur noch der “Rasende Roland“, der auf der Strecke von Putbus nach Göhren Urlauber und Einheimische auf eine Zeitreise mitnimmt, die viel Eisenbahnromantik verspricht.

Gehört haben wir das Tuten seiner Dampflokomotive schon mehrmals in den letzten Tagen und auch die Rauchwolken kündigen den “Rasenden Roland“ im Voraus an. Unsere erste Nostalgietour mit der Schmalspurbahn ist dann ein ganz besonderes Erlebnis. Begeistert wie Kinder stehen wir zwischen den Wagen und genießen die Fahrt am Wasser entlang und durch den Wald der Granitz. Wenn es in eine Kurve geht, lehnen wir uns schnell hinaus, um ein Foto von der schwarzen Lok und den dahinter folgenden grünen Waggons zu schießen. Die Haare wehen ins Gesicht, der Rauch nebelt uns ein und wir haben bei dieser altmodischen Art der Fortbewegung das wohlige Gefühl, auf einer großen Reise zu sein. Obwohl die Gesamtstrecke des “Rasenden Rolands“ nur 24 Kilometer beträgt und er dafür eine ganze Stunde benötigt. Hier geht es also eher um Entschleunigung und Gemütlichkeit, um den Weg und nicht das Ziel. 

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Jagdschloss Granitz: Zeitreise ins 19. Jahrhundert

„Wo man in Rügen auch eine Höhe besteigt, um die Aussicht zu genießen, sieht man das Jagdschloß.“ So schrieb es 1904 die englische Schriftstellerin Elizabeth von Arnim. Wir haben das Schloss zuerst vom “Rasenden Roland“ aus entdeckt. Nach einem kurzen Spaziergang durch einen alten Buchenwald mit blühenden Wiesen tauchen plötzlich die Türmchen des Schlosses aus dem Blätterdach auf. Alternativ kann man auch die gemütlichere Variante wählen und per Kutsche anreisen.

Wie es sich für ein echtes Jagdschloss gehört, finden sich im Inneren zahlreiche Jagdtrophäen und Waffen. Zur reichen Ausstattung zählen auch hübsche Stuckdecken, ein Ofen in Form einer Ritterrüstung sowie ein Ritter- und ein Marmorsaal. Wie verzaubert erscheint die freischwebende Treppe, die zum höchsten Turm des Schlosses führt. Etwas mulmig war mir anfangs schon, doch der Aufstieg über die hübsch verzierten 154 gusseisernen Treppenstufen lohnt sich allemal, denn der Turm bietet eine weite Aussicht über den Wald und die gesamte Insel.

Im Kellergewölbe des Schlosses, in dem einst die Gäste der Putbuser Fürsten residierten, um in dem großen Waldgebiet zu jagen, kann man heute wieder fürstlich speisen und sich bei kulinarischen Genüssen wie Bärentatzen und Schlemmertopf in vergangene Zeiten zurückversetzen lassen. Einmal im Jahr findet hier rund um das Jagdschloss Granitz außerdem ein großer Mittelaltermarkt statt.

Eine alte Sage erzählt von einem anderen Schloss, das es vor vielen hundert Jahren in der Granitz gegeben haben soll. Nachdem der Schlossherr eines Tages von der Jagd zurückkam, war es plötzlich verschwunden und an selber Stelle hatte sich ein See gebildet. Geblieben waren nur ein Stuhl und ein Paar Handschuhe. Der Schlossherr nahm nur seine Handschuhe, woraufhin auch der Stuhl im Wasser verschwand. Es heißt er hätte nur den Stuhl ergreifen müssen und das gesamte Schloss somit wieder an die Oberfläche holen können. Stattdessen blieb es verschwunden und erscheint nun einmal im Jahr über dem Schwarzen See. Wer mutig darauf zuschreitet und es betritt, kann das Schloss und all seine Bewohner von seinem Fluch befreien.

Rügens Bäderarchitektur: Dekadenz und Luxus vergangener Zeiten

Rügen ist bekannt für ihre hübschen Seebrücken und mondänen Seebäder. Die weißen Bädervillen wurden einst für das Bürgertum im 19. Jahrhundert errichtet, als sich die Insel zu einer immer beliebteren Ziel für einen entspannten Badeurlaub entwickelte. Die Strandstraßen wie die Wilhelmstraße in Sellin, in der eine Villa hübscher als die andere ist, werden von der Eleganz und dem Luxus von damals dominiert. Auch die “Himmelsleiter“, die von der Straße hinunter zum Strand und der Selliner Seebrücke führt, ist ein architektonisches Highlight.

Mönchgut: Das “wahre Paradies von Rügen“

So beschrieb 1805 der Geograf Johann Grümbke die Halbinsel, die heute zum Biosphärenreservat Südost-Rügen gehört. In diesem ursprünglichen Teil Rügens wechseln sich das tiefe Blau des Meeres, verwunschene Bäume auf dem Stranddünenweg, reetgedeckte Häuser, Wald und weite Felder ab, auf denen Kühe und Schafe weiden.

Rund um den Hafen in Baabe verkaufen Fischer ihren täglichen Fang. Zwischen dichtem Schilf entdecken wir eine Ruderbootfähre, die von hier nach Moritzdorf übersetzt. Laut der Legende sollen die Bewohner von Rügen einst Räuber gewesen sein und bis heute sind angeblich noch Schätze aus dieser unruhigen Zeit in den Wäldern der Halbinsel Mönchgut vergraben. Auch der gute Hausgeist Puk, gekleidet mit einer großen Mütze und roten Jacke, soll hier noch immer in einigen Häusern anzutreffen sein.

Praktische Tipps für Deinen Inselurlaub auf Rügen

1. Hoteltipp für Rügen: Villa Granitz in Baabe

Unsere schöne Zeit auf Rügen haben wir auch dem herzlichen Team der Villa Granitz in Baabe zu verdanken. Man spürt schnell, dass es sich hier um einen Familienbetrieb handelt. Seit 25 Jahren empfängt Familie Lohse ihre Gäste und erfüllt Wünsche, an die man selbst noch gar nicht gedacht hat. Schon der Morgen beginnt am leckeren Frühstücksbuffet mit so viel guter Laune und Fürsorge des gesamten Teams, wie ich es bisher noch nirgends erlebt habe. Das Buffet im Frühstücksraum setzt sich aus umfangreichen süßen und herzhaften Speisen zusammen, ein Highlight ist auf jeden Fall der selbst gebackene Kuchen! Auf Wunsch kann auch im Pavillon im Garten oder auf dem Zimmer gefrühstückt werden.

Von unserem Balkon aus, über den in der hübschen Villa im typischen Bäderstil jedes Zimmer verfügt, können wir sogar den “Rasenden Roland“ vorbeifahren sehen. Abends machen wir es uns in der Bibliothek gemütlich, auch in dem kleinen Garten mit Teich kann man schön zur Ruhe kommen. Besonders gesellig wird es hingegen in der hauseigenen Bar “Sturmvogel“, einem umgebauten Fischerkahn aus Eichenholz. Nach 28 Jahren auf See hat er seinen Ruheplatz in der Villa Granitz gefunden und lädt hier nun in einmaliger Atmosphäre zu leckeren Drinks und langen Gesprächen ein.

Nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald oder über die Strandstraße erreicht man auch schon das Meer. Der Strand ist hier 5 Kilometer lang und neben einer Segel- und Surfschule stehen 400 Strandkörbe zur Vermietung bereit. Der Abschied fällt uns nicht leicht, aber bestimmt kommen wir wieder — nach Rügen und in die Villa Granitz.

2. Verkehr auf Rügen

Wir sind mit dem Zug ab Berlin nach Binz auf Rügen gefahren, mit kurzem Umsteigen in Stralsund. Zurück ging es mit dem ICE auf direkter Fahrt noch bequemer und schneller. Für beide Strecken gilt das Ostseeticket der Deutschen Bahn. Auf der Insel ist es ohne Auto mitunter etwas schwierig bzw. muss gut geplant werden. Taxis sind rar und sollten rechtzeitig bestellt werden. Busse fahren natürlich auch, aber selten und manchmal nur einmal pro Stunde. Die kleinen Bäderbahnen bieten sich an, um die Orte der Insel zu erkunden und können in der Regel mit der Kurkarte kostenlos genutzt werden.

3. Schifffahrt zu den Kreidefelsen

Die Reederei Adler-Schiffe bietet u.a. eine Fahrt zur Kreideküste und dem berühmten Königsstuhl an. Wir sind in Sellin an Bord gegangen, der nächste Halt auf der Tour ist Binz. Der Kapitän versorgt uns unterwegs mit interessanten Fakten und Geschichten zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Küste, zu denen neben den Seebädern etwa auch der “Koloss von Prora“ gehört. Dann kommen auch schon die ersten Kreidefelsen in Sicht, die Kameras werden gezückt und das Staunen beginnt.

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